Donnersbergkreis

Edith Starck-Welsch

(1939 - 2009)

Kirchheimbolanden

Beigeordnete der Stadt Kirchheimbolanden und großes ehrenamtliches Engagement

Edith Stark-Welsch
Es waren nicht die glücklichsten Umstände, in die Edith Starck- Welsch am 6. April 1939 in Kirchheimbolanden hineingeboren wurde und unter denen sie ihre Kindheit verbrachte. Der Vater, ein Kfz-Meister, zog in den Krieg, aus dem er nicht mehr heimkommen sollte. Die existenzielle Basis der Familie, für die alles vorbereitet war - eine Autoreparaturwerkstatt mit Tankstelle - damit weggebrochen. Die Mutter, Bezieherin einer kärglichen Witwenrente, musste sich allein mit den zwei Töchtern durchschlagen. Doch das Lenkrad des Lebens ließ sie sich, die die erste Fahrlehrerin der Region gewesen war, nicht aus der Hand nehmen. Mit den Erträgen des eigenen Gartens nährte sie nicht nur die Familie, sondern ermöglichte beiden Töchtern auch ein Studium im Nachkriegsdeutschland.
Haben Edith Starck-Welschs zeitlebens starker Wille zur Selbstbestimmung, ihre Disziplin, das Rückstellen eigener Bedürfnisse, wenn andere sie brauchten, auch in dieser Kindheit ihre Wurzeln?
Nachdem sie in Kirchheimbolanden die Volksschule absolviert hatte, empfahlen Lehrer und Pfarrer, ihre Begabungen sollten durch eine höhere Schulbildung gefördert werden. So kam Edith Welsch ans Aufbaugymnasium nach Speyer, wo sie das Abitur ablegte. Eine in doppelter Hinsicht prägende Phase ihres Lebens, denn zu ihren Lehrern gehörte der junge Helmut Starck, ihr späterer Mann. Auch Edith Welsch sah im Lehrerberuf ihre Zukunft, studierte an der Pädagogischen Akademie Landau und unterrichtete danach ein Jahr an der damals noch konfessionellen Volksschule in Stetten. Die Geburt von vier Kindern unterbrach die Lehrtätigkeit, erst in späteren Jahren wandte sie sich ihr zumindest tageweise wieder zu, indem sie Suchtkranke aus der Klinik Michaelshof in Kirchheimbolanden unterrichtete, um ihnen die Rückkehr in den Alltag zu erleichtern.
Längst hatte zu dieser Zeit der Katalog ihrer Ehrenämter stattlich an Umfang gewonnen. Bis zu ihrem plötzlichen Tod am 9. Juli 2009 musste daraus auch kaum eine Seite entfernt werden, obwohl Edith Starck-Welsch da schon die "70" erreicht hatte. Als Christdemokratin gehörte sie viele Jahre dem Stadtrat an, zehn davon als zweite Beigeordnete. Im November 2008 übernahm sie außerdem den Vorsitz im Förderverein "Haus Vergiss-mein-nicht", der sich die Unterstützung der Arbeit mit Demenzkranken widmet.
Was sie anpackte, war auf Kontinuität ausgelegt, wurde mit Pflichtbewusstsein und Freude gleichermaßen bewältigt, auch der Freude am Generationen übergreifenden Kontakt zu Menschen. Seit seiner Gründung setzte sie sich im Freundschaftskreis zudem für gute Beziehungen zwischen Kirchheimbolanden und Louhans-Chateaurenaud ein - eingedenk der bitteren Erfahrung, dass der Krieg ihr als Sechsjähriger den Vater nahm in französischer Gefangenschaft.
Viel Kraft bezog Edith Starck-Welsch aus ihrem festen, tätig gelebten Glauben. Dreieinhalb Jahrzehnte wirkte die Katholikin im Pfarrgemeinderat der Gemeinde St. Peter, 13 davon als Vorsitzende. Seit 1995 war sie als Lektorin, die selbst Gottesdienste leiten konnte, tätig. 26 Jahre arbeitete sie überdies als Bildungsbeauftragte der katholischen Erwachsenenbildung. Gern spürte sie auch markanten Ereignissen, Bauten und Persönlichkeiten ihrer Heimatstadt nach. Ihrem Nachdruck ist es zu danken, dass dem vergessenen ersten Ehrenbürger Kirchheimbolandens, Franz Josef Pilgeram, heute eine Straße gewidmet ist.
Der Garten, der sie in der Kindheit nährte, blieb ihr zeitlebens Ort des Entspannens. Entspannen durch Arbeit. Aber anders als tätig konnte sie sich ihr Leben wohl nie vorstellen.
Autorin: Barbara Till
Foto: Privat
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