Landkreis Kaiserslautern
Waltrud Klingler

Waltrud Klingler

(1923 - 2012)

Landstuhl

Handwebmeisterin

„Praktisch aus nichts etwas Besonderes zu schaffen, das ist die Kunst in unserem Beruf“. So äußerte sich die Handwebmeisterin Waltrud Klingler einmal in einem Interview vor vielen Jahren. Bis ins hohe Alter hinein traf man sie an ihrem Webstuhl an.
Als Tochter des Töpfermeisters Heinrich Klingler (1886-1972) war ihr die Liebe zum Kunsthandwerk in die Wiege gelegt worden. Nach dem Schulbesuch erlernte sie bei der Handwebmeisterin Else Brünisholz-Leppla in Kaiserslautern den Beruf der Handweberin und arbeitete anschließend fünf Jahre als Gesellin. 1955 legte sie die Meisterprüfung ab und eröffnete in ihrem Elternhaus in der Landstuhler Eisenbahnstraße eine Werkstatt. Aus Wolle, Baumwolle und Leinen fertigte sie Kleiderstoffe, Schals, Tischdecken, Bezüge, Wandbehänge, Teppiche und Stoffe für Vorhänge. Sie hatte einen festen Kundenstamm, der sich bis nach Hamburg, Berlin und München erstreckte.
Traudl Brenner schrieb vor Jahren einmal über Waltrud Klingler in der „Rheinpfalz“: „Sie ist eine gute, solide Handwerkerin mit viel künstlerischem Sinn und Gespür, und sie verarbeitet nur bestes Naturmaterial … Nie geben bei ihren Arbeiten laute Farben den Ton an. Helle Naturtöne überwiegen, sie sind auch oft uni verarbeitet und dann durch ausgetüftelte Drehermuster eigenwillig gestaltet. Bei allem, was Waltrud Klingler macht, spürt man: Nichts ist modische Saisonware.“
In den achtziger Jahren zeigte sie im Ramsteiner Heimatmuseum am Webstuhl ihrer Lehrmeisterin, der dem Museum überlassen worden war, mehrmals interessierten Besucherinnen und Besuchern die Kunst des Webens.
Einmal im Jahr luden sie und ihre Schwester Erika Heid-Klingler, die die Arbeit des Vaters fortsetzte, zu einer Ausstellung in ihre Werkstatt ein. Neben ihrer Tätigkeit als Handweberin war Waltrud Klingler eine begnadete Gärtnerin. Ihr Garten war stets eine Augenweide.
Im Alter von 89 Jahren starb Waltrud Klingler am 14. Juli 2012 in ihrer Heimatstadt Landstuhl. Durch ihre Arbeiten wird sie über ihren Tod hinaus bei vielen Menschen in Erinnerung bleiben.
Autor: Roland Paul
Foto: Archiv Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde
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