Landkreis Kaiserslautern
Wilhelmine Baldauf

Wilhelmine Baldauf

(1926 - 1993)

Otterbach

Erste Frau als Kreisdeputierte
des Landkreises Kaiserslautern

„Ich habe mir die Zeit nicht ausgesucht“, war ihre stete Antwort auf Fragen nach den Lebensumständen im Krieg und der Nachkriegszeit. Statt unbeschwerter Jugendjahre sah und erlebte sie unfassbar viel Leid, in einem Ausmaß, das heute glücklicherweise nur noch begrenzt nachvollzogen werden kann. Sie hielt den daraus erwachsenden Anforderungen aber stand: Mut, vor allem Lebensmut, Durchstehvermögen und hohes Verantwortungsgefühl für den Nächsten waren die Grundlagen hierfür.

Wilhelmine Baldauf wurde nach der Schulzeit bereits in sehr jungen Jahren noch während des Krieges in den Lazaretten Worms und Göppingen als Schwesternhelferin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) eingesetzt. Sie pflegte schwer verwundete deutsche, und später als Kriegsgefangene nach Übergang der Lazarette in die Regie der US-Armee auch die amerikanischen Soldaten. Selbst durch Kampfhandlungen verletzt, versuchte sie aufopferungsvoll, das Los der ihr Anvertrauten zu erleichtern. Ein Patient, später als Arzt für Allgemeinmedizin im Raum Ramstein praktizierend, war von US-Ärzten bereits aufgegeben worden, wurde aber durch Wilhelmine Baldauf dennoch intensiv betreut. Jener Arzt war der festen Überzeugung, dass er ohne diese Pflege nicht überlebt hätte. Sie blieben zeitlebens freundschaftlich miteinander verbunden.

Nach Krieg und Gefangenschaft arbeitete sie in einer örtlichen Arztpraxis, besuchte eine Fortbildungsschule und nahm anschließend ein Studium der Sozialarbeit in Hagen auf, das sie mit hervorragenden Noten abschloss. In dieser Zeit war sie ehrenamtlich am Wiederaufbau des Ortsverbandes Otterbach des DRK sowie des Verbandes auf Kreisebene beteiligt und füllte zahlreiche Funktionen aus. Sie war u. a. Mitglied im DRK-Bezirksverband Rheinhessen-Pfalz sowie im DRK-Landesausschuss. Das Deutsche Rote Kreuz ehrte sie hierfür mit hohen Auszeichnungen.

Beruflich war Wilhelmine Baldauf seit 1962 zunächst als Kreisfürsorgerin beim im Aufbau befindlichen Kreisjugendamt, später dann beim Gesundheitsamt Kaiserslautern in der Gesundheits- und Familienfürsorge sowie in der Sozialpsychiatrie beschäftigt. Sie trat 1990 in den mehr als verdienten Ruhestand.

Ihr unermüdlicher Einsatz für den Menschen war auch Ziel und Inhalt ihrer parteipolitischen und kommunalen ehrenamtlichen Tätigkeit. Das Schwergewicht ihrer Tätigkeit lag in der Sozialpolitik.

Seit 1970 war sie Mitglied der FDP, baute dessen Ortsverband Otterbach auf, von 1974 bis 1986 war sie zudem Vorsitzende des FDP-Kreisverbandes Kaiserslautern-Land. Als „Frau“ damals ein Novum. Von 1971 bis 1979 sowie 1984 und von 1989 bis zu ihrem Tode war sie Mitglied im Ortsgemeinderat Otterbach sowie mehrerer Ausschüsse, von 1974 bis 1979 hatte sie zusätzlich ein Mandat im Verbandsgemeinderat Otterbach inne. Mitglied im Kreistag des Landkreises Kaiserslautern war sie von 1974 bis 1984 und wiederum ab 1989.

In den Jahren 1979 bis einschließlich 1984 war Wilhelmine Baldauf Dritte Kreisdeputierte des Landkreises Kaiserslautern und damit Vertreterin des Landrates. Sie war die erste Frau in dieser Funktion. Die hier gemachten Erfahrungen - sie bezeichnete diese gerne als „Intensiv-Kurs“ - veranlassten sie u. a., die Einrichtung einer Frauenbeauftragtenstelle auf Kreisebene nachhaltig zu unterstützen.

Ihr Lebenswerk wurde mit der Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt; die Verleihung nahm der damalige Regierungspräsident in Neustadt/Weinstraße persönlich vor.

Hohes soziales Verantwortungsgefühl war die Grundlage ihres Handelns. Das Einstehen für die Hilfsbedürftigen, die Benachteiligten und Schwachen am Rand der Gesellschaft im Landkreis Kaiserslautern, in ihrer Heimatgemeinde Otterbach, im Lautertal, war ihr Lebensinhalt. Und sie stand dafür ein, dass sich Hilfe nicht im abstrakten-theoretischen Raum erschöpfte, sondern für die Betroffenen auch konkret erfahrbar wurde.

„Man sieht nur mit dem Herzen gut“ hieß es in einem Nachruf - ein Zitat aus „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry, das mehr als alles andere ihr Wirken beschreibt.

Autor: Jürgen Hesch
Foto: Privat
Frauenspuren