Schwester Anatolia Lederer

(1919 – 1982)

Schönenberg-Kübelberg

Ein unermüdliches Leben für die anderen

Schwester Anatolia war die katholische Krankenschwester in Kübelberg, die mich durch meine Kindheit und Jugend begleitete. Keine Kinderkrankheit, kein Sturz, wo es nicht hieß, „hol doch mol die Schweschder“. Und sie war immer zur Stelle, ob Tag oder Nacht. Mit großer Hingabe hat sie Kranke und Alte in Kübelberg, Schönenberg und Schmittweiler gepflegt. Sie hat Sterbende in den Tod begleitet und beim würdevollen Einsargen geholfen. Bei ihren Einsätzen war sie nicht nur für die körperlichen Wehwehchen zuständig, sie hat ganze Familien entlastet und sich nebenbei um die Seele gekümmert. Die MarkenInge Schwormzeichen von Schwester Anatolia waren ihre große Tasche und ihr Fahrrad, mit dem sie recht flott und mit wehendem Schleier durch die Straßen fuhr. Der ehemalige katholische Pfarrer Erich Steigner erzählte mir, dass er sie einmal mit blauen Flecken am Schwesternhaus hatte zurückkommen sehen. Da waren ihr die Bremsen ihres Rades versagt und sie landete an einem Schönenberger Schaufenster.
Schwester Anatolia wurde am 21.06.1919 in Mitteleschenbach in Mittelfranken geboren. Sie wuchs mit fünf Geschwistern auf dem Bauernhof ihrer Eltern auf. In ihrem Heimatdorf besuchte sie die Volksschule der Dillinger Franziskanerinnen. Nach dem Tod ihrer Mutter musste sie schon in jungen Jahren den Haushalt führen und die Landwirtschaft versorgen. In diesen Jahren fühlte sie sich zur Nachfolge Jesu berufen. Mit 20 Jahren konnte sie um die Aufnahme in die Kongregation der Dillinger Franziskanerinnen bitten. Nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester und ihrem Noviziat, legte sie am 09.08.1943 ihre Ewige Profess ab.
Von den 42 Ordensjahren verbrachte Schwester Anatolia 21 Jahre in Hochspeyer und 21 Jahre in Kübelberg. In der Konvent-Chronik finden sich leider nur wenige Einträge zu Schwester Anatolia. Das Wirken der Schwestern rund um die Uhr und ohne Urlaub wurde als selbstverständlich hingenommen. Entspannung fand sie ganz selten bei Besuchen in der geliebten Heimat oder bei einer Pilgerfahrt nach Lourdes.
1974 vermerkt eine Chronistin, „Seit 1. August gibt es hier eine Sozialstation. Der Sitz ist in Brücken. Die Leitung hat die evangelische Schwester in Schönenberg. Zehn Krankenschwestern und eine Dorfhelferin versehen den Dienst an den Kranken. Schwester Anatolia hat ihren Bereich wie bisher, Kübelberg, Schmittweiler und in Schönenberg die Katholiken, die im Elisabethenverein sind.“
Im Januar 1982 musste Schwester Anatolia das Krankenhaus in Landstuhl aufsuchen. Sie war selbst an Krebs erkrankt und verstarb am 13. Februar. Ihre Mitschwestern und Pfarrer Steigner standen ihr in den letzten Stunden ihres Lebens bei. Sie verabschiedete sich mit den Worten, „Du weißt, wo Du mich haben willst.“ Schwester Anatolia wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Ehrenfeld des Kübelberger Friedhofes am Kreuz beigesetzt.
Schwester Anatolias Portrait steht stellvertretend für Generationen von katholischen Schwestern des Dillinger Franziskanerinnenordens, die in den Jahren von 1911 bis zur Auflösung der Schwesternstation 1985 selbstlos wirkten und das Ortsleben in Schönenberg-Kübelberg prägten.
Autorin: Elke Klink
Foto: Stefan Bauer
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