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Mathilde Hitzfeld

(1826 – 1905)
Kirchheimbolanden

Revolutionärin

 

Mathilde Hitzfeld, die Tochter des Kantonarztes Dr. Ludwig Hitzfeld, ist zum Symbol der Kirchheimbolandener Bürgerwehr geworden. Sie wurde 1826 in Kirchheimbolanden geboren und erhielt eine ausgezeichnete Erziehung im liberalen Geiste. Ihr Vater war 1848 zum Stadtrat gewählt worden und war zudem Hauptmann bei der Bürgerwehr. Die Fahnenweihe der Freischaren gestaltete sich zu einem großen Fest. Mathilde Hitzfeld konnte die vielen Besucher mit Kühnheit und leidenschaftlicher Rede begeistern. Im weißen Kleid, geschmückt mit einer schwarz-rot-goldenen Schärpe und Kokarde schloss sie mit einem Hoch auf das große, freie und einige deutsche Vaterland. Sie überreichte dem Fahnenträger die Fahne mit den Worten: „Kehrst Du mit dieser Fahne und einem einigen und freien Vaterland zurück, so reiche ich Dir diese Hand.“Leider ging der schöne Wunsch nach einem freiheitlichen Vaterland nicht in Erfüllung. An der Barrikade, die am Schlossgarten errichtet worden war, mussten 17 junge Freischärler im Kampf gegen die preußischen Soldaten ihr Leben lassen. Mathilde Hitzfeld hatte versucht auf der nun verlassenen Barrikade hier noch einen mehr symbolischen Widerstands zu leisten. Vorher hatte sie vom Kirchturm aus das Anrücken der Preußen beobachtet, die Freischärler noch rechtzeitig gewarnt und vielen von ihnen so das Leben gerettet.Nach dem missglückten Pfälzischen Aufstand begann Mathilde Hitzfeld als erste Frau in Heidelberg das Studium der Medizin. Doch reaktionäre Kräfte erschweren ihr den Aufenthalt. Sie verließ daraufhin ihre Heimat und wanderte in die Vereinigten Staaten aus. Dort heiratete sie den aus Dresden stammenden Maler Theodor Kaufmann, später einer der bedeutendsten Historienmaler Amerikas. Hochgebildet behauptete sie ihren freiheitlichen Geist in Washington im Kreise von Künstlern und Diplomaten. Einige Male besuchte sie ihren Vater, zuletzt in den siebziger Jahren.1899, zur Einweihung eines Denkmals für die Freischärler eingeladen, entschuldigte sich Mathilde Hitzfeld mit einem Brief, der noch heute erhalten ist: „Glauben sie mir, ich habe jene Zeit nicht vergessen; ich habe mich und meine Ansichten nicht geändert. Dieselbe Begeisterung für Recht und Freiheit glüht noch heute gerade so lebendig in mir wie vor 50 Jahren!“Im Jahre 1905 starb diese ungewöhnliche Frau nach kurzer Krankheit in Amerika. Im Gedächtnis der Kirchheimbolander lebt sie weiter: Eine Straße und eine Schule wurden nach ihr benannt.

  

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